Vom Wettstreit der Künste zum Kampf der Medien?

 Das zweite Gießener Studierendenkolloquium Vom Wettstreit der Künste zum Kampf der Medien? Medialitätsdiskurse im Wandel der Zeiten fand vom 27. bis 29. Oktober 2006 im Alexander-von-Humboldt-Gästehaus der Justus-Liebig-Universität Gießen statt. Die studentische Tagung wurde von den ehemaligen Student_innen Mario Baumann und Yvonne Nowak organisiert.

Konzept

Literatur, Malerei, Architektur und Bildhauerei – wo liegen ihre Möglichkeiten, wo ihre Grenzen? Schon Vertreter der antiken Welt riefen diesen Medialitätsdiskurs als „Wettstreit der Künste“ ins Leben; unter diesem Blickwinkel wurde er über die Renaissance bis hin zur Klassik weitergeführt. Seit dieser Epoche zeichnet sich in diesem Diskurs zunehmend eine Betonung auf den „Kampf der Medien“ ab: Denn immer mehr wetteifern Massenmedien nicht zuletzt auf gesellschaftlich-politischer Ebene um die Aufmerksamkeit des Publikums. Die zwölf Beiträge dieses interdisziplinär angelegten Kolloquiums beleuchten vielfältige Facetten des Medialitätsdiskurses von der Antike bis in die Gegenwart. Dabei spannt sich der Bogen vom Wettstreit zwischen Bild und Text in der griechisch-römischen Literatur bis etwa zur Verachtung des Comics durch die Literaturkritik in den 1950er und 1960er Jahren. Dank des breiten wissenschaftlichen Spektrums werfen die Referent_innen damit auch ein Schlaglicht auf die diachrone Entwicklung dieser stets aktuellen Frage nach der Macht der Medien.

Referent_innen

Yvonne Nowak (Gießen)
Catulls carmen 64. Die Hochzeitsdecke der Thetis als poetologische Textur

Beate Klüber (Gießen)
Wettstreit zwischen Bild und Text: Der Liebesroman des Longos

Julia Ann Schmidt (Berlin)
Mona Lisa als Metabild des Sieges – Lebendigkeit als Schauplatz des paragone von Malerei und Dichtung

Daniel Lambauer (Oxford)
Die Rhetorik der Kunstbeschreibung im Wettstreit der Künste: Ekphrasis als Medienübertragung?

Michael Bies (Berlin/Gießen)
Vom Wettstreit der Medien am ‚Ende der Naturgeschichte‘: Linné, Buffon, Goethe

Anja Wegmann (Zürich)
Störfaktor oder Zwischen-Spiel? Wie Goethes Gedicht Wink eine transgressive Poetologie schreibt

Susanne Mersmann (Marburg)
Der „Paragone der Kulturen“ als Leitfaden einer Kunstgeschichte anhand der Skulptur bei Viollet-le-Duc

Anna Dannemann und Anna-Lena Spies (Bochum)
Laokoon-Projekte in der Moderne am Beispiel von Picasso und Apollinaire

Sonja Müller (Frankfurt am Main)
‚Verderbliche Bilderflut‘. Die Bekämpfung der Comics seitens der Literaturpädagogik der 1950er und 1960er Jahre

Steffen Schröter (Dresden)
„Coördination of the arts“ im Abstrakten Expressionismus. Überlegungen am Beispiel der Rothko Chapel

Gabriele S. Feulner (Bonn)
Vom Medienpessimismus zur Medienaffirmation. Zum Paradigmenwechsel im Medialitätsdiskurs der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur am Beispiel von Peter Handke und Rainald Goetz

Holger Camper (Greifswald)
„Kampf der Medien“ – Wer kämpft da gegen wen?