„Habt euch schon müde geflogen?“

Das dritte Gießener Studierendenkolloquium „Habt euch müde schon geflogen?“ – Reise und Heimkehr als kulturanthropologische Phänomene fand vom 24. bis 26. April 2009 an der Justus-Liebig-Universität Gießen statt. Die Tagung wurde von den ehemaligen Student_innen Helge Baumann, Maria Rossdal, Michael Weise und Stephanie Zehnle organisiert.

Konzept

Unter dem Titel „Habt euch müde schon geflogen?“ brachte das dritte Gießener Studierendenkolloquium alltägliche Konzepte von Reise und Heimkehr ins Wanken. Heimat stellt sich von der Antike bis in die literarisch-fiktive Zukunft hinein als eine Konstruktion dar, deren raumzeitliche Verortung stets abhängig von der Identität des Reisenden ist. Quer durch die wissenschaftlichen Disziplinen stellen die beitragenden Autoren fest, dass Fremde und Heimat Projektionsflächen verschiedenster Bedürfnisse, Bewertungen und Überzeugungen sind. In den spannungsreichen Konstellationen von Reisen und Heimkehren, die dieser Band in den Blick nimmt, ist Heimat als eine nicht ortsgebundene auch auf dem Schiff oder in sozialen Netzwerken möglich. Fremde wird zur Heimat, Heimat zur Fremde und damit die Heimkehr, als bloße Rückkehr, zur Illusion.

Referent_innen

Gero Brümmer (Düsseldorf)
Mary Kingsley, „The Sea-Serpent of the Season“ – Selbstwahrnehmung und -verortung einer Afrikareisenden

Christian Göhlert (München)
Von Seefahrern, Wasserleichen und wandernden Göttern: Reise und Heimkehr in der Glaubenswelt der japanischen Fischer

Reinhard Möller (Berlin)
Über das Erhabene als ästhetische Herausforderung des Reisens und der Darstellung in Herman Melvilles Moby-Dick

Maike Schmidt (Kiel)
„Nur nicht nach Norden!“ – Reisen nach Spitzbergen am Ende des 18. Jahrhunderts

Sarah Schwab (Augsburg)
Sir Ernest Shackleton – ‚Spuren‘ von Odysseus

Margit Dirscherl (London)
„Und wenn ich sage nach Hause gehn, so meine ich die Bolkerstraße“? Zur Funktion des Heimkehr-Motivs bei Heinrich Heine

Frederike Felcht (Mannheim)
Heimkehr wohin? Hans Christian Andersens Orientreise

Moritz Gansen (Freiburg)
Die Unmöglichkeit der Heimkehr: Deleuzoguattarische Rekonzeptionen von ‚Heimat‘, ‚Reise‘ und ‚Heimkehr‘ anhand von Cabeza de Vacas Naufragios

Konstantin Klein (Oxford)
Vertraute Fremdheit – erlesene Landschaft. Arbeit an Präsenz im Reisebericht der Egeria

Stefanie Rübbert (Gießen)
Ist die Fremde noch zu retten? Bedeutet ihre Monotonisierung ein Banalisieren der Heimkehr?

Andrea Vetter (Berlin)
Reise ohne Rückkehr. Beheimatungspraxen von Backpackern, Globetrottern und Vagabunden

Frauke Fitzner (Tübingen)
Reisen im Cyberspace – Heimkehr in den eigenen Körper?