Hinter IGNIS steckt eine tolle Idee, die wir mit der Welt teilen wollen.

 

 

Wie erprobt man im Studium wissenschaftliches Arbeiten?

Fragen wie diese waren es, die im Jahre 2005 eine Gruppe Studierender verschiedener Disziplinen der Geistes- und Kulturwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen bewegten und schließlich zusammenführten, um fernab von modularisierten Studiengängen und strengkalkulierten Lehrplänen die Erprobung wissenschaftlicher Arbeitsformen mit der Erforschung der Kultur auf studentischer Ebene zu verbinden.

Auf diesem Weg entstand die Studierendeninitiative IGNIS – die Initiative Gießener Studierender zum Erwerb interdisziplinärer Schlüsselqualifikationen. Kern der Initiative sind die in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Gießener Studierendenkolloquien, die Organisator_innen und Teilnehmer_innen Gelegenheit bieten sollen, die Abläufe einer wissenschaftlichen Konferenz in einem studentischen und entspannten Umfeld kennenzulernen.

Was steckt hinter der Initiative?

IGNIS ist nicht zuletzt geboren aus der als defizitär empfundenen Gestaltung des modularisierten Studiums. Obwohl nicht alles nach der Bologna-Reform schlechter geworden ist, wie der Leumund gern behauptet, ist nicht zu bestreiten, dass eine Verschulung des Studiums und Orientierung hin zur Verwertbarkeitsfragen eingesetzt hat. In diesem Prozess ist es für Studierende wie auch für Lehrende schwierig geworden, Freiräume für eine wissenschaftliche, das heißt auch intensive und produktive Auseinandersetzung mit den Inhalten und Methoden des jeweiligen Faches zu schaffen. Getrieben von der Kalkulation der ECTS-Punkte wird häufig der eigenständige Arbeitsprozess unterbunden. Auch der Gedanke, sich mit einem Thema aus Interesse zu befassen, nicht um ein Modul oder das Studium rechtzeitig abzuschließen, bleibt oft auf der Strecke. Die IGNIS-Tagungen möchten für motivierte und interessierte Studierende eine Plattform bieten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Im Austausch mit den anderen Teilnehmern kann man Arbeitsformen erproben, die im universitären Alltag keinen Platz finden, die aber andererseits besonders für Studierende, die nach ihrem Abschluss eine Promotion anstreben, wichtig sind. Oft werden dann nämlich Organisations-, Präsentations- und Diskussionskompetenzen vorausgesetzt, deren Erlangen im überfüllten Seminaralltag und im verkürzen Curriculum nicht gewährleistet werden kann. Auch eine konkrete Ausgestaltung interdisziplinärer Zusammenarbeit ist in diesen Rahmenbedingungen kaum möglich.

& dann wären da noch unsere Tagungen

Da es sich immer um ein Angebot von Studierenden für Studierende handelt, gibt es keine Verpflichtung oder Notwendigkeit, regelmäßig Organisationsteams zu bilden. IGNIS-Kolloquien finden statt, wann immer sich eine Gruppe Studierender zusammenfindet, die ein gemeinsames Thema finden und sich für die Organisationsarbeit begeistern können.

Dies erstreckt sich von der eigenverantwortlichen Planung der Konferenz bis zur ihrer Durchführung. Nachdem wir uns auf ein Thema geeinigt haben und es durchdacht haben, verfassen und verbreiten wir als Studierende den Call for Papers. Ebenso schreiben wir die Anträge zur Einwerbung der notwendigen Gelder. Im Team werden die Teilnehmer_innen auf Grund ihrer Exposés ausgewählt, angeschrieben, Unterkunft, Tagungsort und Catering müssen organisiert, Werbung gemacht werden. In den Tagen rund um die Konferenz schließlich braucht es noch mehr helfende Hände, um alles auf- und abzubauen.

Ein hilfreicher Workflow wird natürlich jedes Mal neu überarbeitet und steht der neuen Generation zur Verfügung. Da die Initiative ihre Wurzeln in den Altertumswissenschaften Gießen hat, findet sie dort auch immer Unterstützung. Ihr Anspruch ist es jedoch immer, sowohl im Organisationsteam als auch in der Tagung selbst mehrere Disziplinen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Die Tagung selbst umfasst die Präsentation eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes, das aktuelle Interessen oder Schwerpunkte der Teilnehmer_innen wiederspiegelt. Die mediale Ausgestaltung des Vortrags wird ebenfalls eigenverantwortlich erprobt. An jeden Beitrag schließt sich eine Diskussion an, die von jemandem aus dem Organisationsteam geleitet wird. Häufig ist auch ein wechselndes Publikum aus interessierten Studierenden und Lehrenden anwesend. Nach der Tagung werden die Beiträge in einem Sammelband veröffentlicht, der im Tectum Verlag Marburg als Reihe unter dem Titel Beiträge des Gießener Studierendenkolloquiums erscheint. Dies bietet den Teilnehmer_innen die weiterführende Möglichkeit, Erfahrungen in der Ausarbeitung von Aufsätzen zu sammeln, den Organisator_innen wiederum in der Betreuung und Redaktion eines Sammelbandes.

Ein Einblick in die Themen und Beiträge der vergangenen Tagungen findet sich hier.

Neben all diesen kompetenzorientierten Zielen der IGNIS-Tagungen steht jedoch ganz besonders der immer sehr freundschaftliche und produktive Austausch aller Beteiligten im Zentrum. Die Kolloquien bieten die Möglichkeit, sich über die Fächergrenzen hinaus mit jungen Menschen auszutauschen, die an einem ähnlichen Thema oder methodischen Zugang interessiert sind. Sie schaffen Kontakte und Freundschaften, die oft bis lange über das Studium (und gar die Ländergrenzen) erhalten bleiben und können den Grundstein für die Zusammenarbeit in einem späteren Karriereabschnitt bilden.